"War für mich ein großes Opfer, Fußball für Triathlon aufzugeben"
17.03.2025 – Thorsten Eisenhofer

Carlotta, du hast früher, neben Schwimmen, auch Fußball gespielt. Wie viel hat gefehlt, dass du es - anstatt in die Triathlon-Bundesliga - in die Fußball-Bundesliga geschafft hättest?
(lacht) Ich habe Fußball echt gerne gespielt, und es hat mit sehr viel Spaß gemacht. Es war für mich ein großes Opfer, es für den Triathlon aufzugeben. Aber ich muss auch sagen: das Verletzungsrisiko ist beim Fußball schon sehr groß.
Du bist sogar mal von Scouts gesichtet und zu einem Kadersichtungstraining eingeladen worden.
Da war ich so zehn, elf Jahre. Ich weiß aber ehrlich gesagt nicht einmal mehr so genau, wie die Sichtung ablief. Ich weiß nur, dass ich damals immer gedacht habe, es ist unrealistisch, dass ich im Fußball durchstarte. Aber das habe ich im Triathlon auch gedacht (lacht).
Und so schlecht lief es im Fußball ja auch nicht.
Wir waren im Verein sehr erfolgreich, vor allem wenn man bedenkt, dass ich in einem Verein aus einem kleinen Dorf gespielt habe. Wir haben es fast bis in die höchste Liga geschafft. Mein Problem war dann irgendwann, dass an den Wochenenden die Wettkämpfe im Schwimmen, irgendwann auch im Triathlon und die Fußballspiele stattfanden.
Ich bin dann immer seltener zu den Spielen gegangen, irgendwann auch seltener ins Training. Ganz aufgehört habe ich aber erst 2023.
2023 bist du in deiner erst zweiten Triathlon-Saison richtig durchgestartet.
Das Jahr davor hat es meistens gerade so für Top-Ten-Ergebnisse im DTU Jugendcup gereicht. Dann habe ich im ersten Wettkampf 2023 völlig überraschend den Jugendcup in Forst in der Jugend A gewonnen. Als jüngerer Jahrgang Jugend A war ich sogar schneller als alle mit uns gestarteten Juniorinnen.
Der Erfolg war eigentlich der Startpunkt meiner Leistungssportkarriere, der Moment, in dem ich realisiert habe, es könnte etwas werden.
Was hat sich geändert?
Es war ein Augenöffner für mein Mindset und ein Push für mein Selbstbewusstsein.
Den Erfolg in Forst beschreibst du als deinen bisher größten sportlichen Moment. Dabei gab es 2024 auch einige andere Erfolge. Zum Beispiel Platz zehn bei der Junioren-WM. Kam das völlig überraschend für dich?
Ich bin noch nie in solch einem Feld gestartet, deswegen wusste ich einfach nicht, was ich erwarten kann. Ich habe aber schon beim Vorbereitungslehrgang gemerkt, dass ich in einer guten Form bin.
Eigentlich ist auch die EM ein paar Wochen vorher gut gelaufen, zumindest der Vorlauf. Im Endlauf bin ich dann als einer der Ersten in die zweite Wechselzone, aber als Letzte der großen Gruppe wieder raus, weil einer meiner Schuhe von dem starken Wind an dem Tag verweht wurde, nicht an der richtigen Stelle stand und mich das völlig aus dem Konzept gebracht hat.
Bei der WM hat dann alles gut geklappt. Ich habe lange gebraucht, um das Erreichte zu begreifen.

Außerdem bist du 2024 DM-Zweite geworden. DM-Zweite bei den Leichtathleten über 3.000 Meter in der U18 wohlgemerkt. Wie kam es zu diesem „Ausflug“?
Ich laufe sehr gerne und wollte daher unbedingt bei der DM starten. Die Qualifikationsnorm bin ich am Tag nach dem DTU Jugendcup am Rothsee bei den oberbayrischen Meisterschaften gelaufen. Es war die letzte Möglichkeit sich zu qualifizieren. Es ist der Belastung vom Vortag entsprechend nicht so gut gelaufen, aber hat für die Quali gereicht. Bei den Deutschen lief es richtig gut, und ich konnte mir im Schlussspurt Silber sichern.
Aber du wirst dem Triathlon jetzt nicht abtrünnig?
Ich werde weiterhin ab und an Laufwettkämpfe absolvieren, weil mich das weiterbringt und mir Spaß macht. Aber ich bleibe Triathletin. Ohne Schwimmen und Radfahren würde mir etwas fehlen.
Dein Bundesliga-Debüt hast du im vergangenen Jahr mit Rang 23 in Hannover gegeben.
Das war richtig cool. Es war schon ganz nice mit den ganzen großen Namen wie Annika (Koch, Anm. d. Red.) oder Laura (Lindemann, Anm. d. Red.) an den Start zu gehen. Das war schon beeindruckend, Ich habe es als Ehre empfunden, dabei zu sein.
Es war nicht mein bestes Rennen, ich hatte keinen optimalen Startplatz, bin 80 Meter mehr geschwommen als andere (dies hat eine Auswertung der Transponder ergeben, Anm. d. Red.). So hat es „nur“ für die zweite Radgruppe gereicht.
In den nächsten Bundesliga-Rennen erwarte ich mir noch ein bisschen mehr.
Die stehen dann sicherlich 2025 an, auch wenn die Prioritäten eher auf der Qualifikation für internationale Meisterschaften liegen werden.
Klar, ich wäre gerne erneut bei JEM und JWM dabei, aber die nationale Konkurrenz ist stark. Bei ein, zwei Bundesliga-Rennen würde ich auch gerne starten, weil es mich weiterbringt und auch viel Spaß mit dem Team macht.
Und wenn ich dich noch nach deinem ganz großen Ziel frage, kommt bestimmt die Antwort: Olympia.
Genau (lacht). Das ist natürlich mein langfristiges Ziel.
Jetzt habe ich aber erst einmal noch zwei Jahre bei den Juniorinnen vor mir. Vor allem 2026, als älterer Jahrgang, will ich bei JEM und JWM einen raushauen. Anschließend wäre es natürlich super, wenn der Weg über die World Triathlon Championship Series Richtung Olympia führt.
Bei aller Konzentration auf den Triathlon. Bleibt noch Zeit, ab und an Fußball zu spielen?
In der Saisonpause spiele ich schon gerne mal mit Freundinnen oder im Urlaub am Strand, denn es macht noch immer sehr viel Spaß.